2. Februar 2006...7:33

166 Gründe für die Pressefreiheit

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Wer hätte gedacht, dass ein kleines, stinke-konservatives Wikingerblättchen wie der Jyllands-Posten mit der Veröffentlichung von 12 Mohammed-Karikaturen einen solchen Aufstand auslöst? Ich war baff erstaunt, als ich lesen musste, dass im Jemen 150.000 Frauen gegen die Karikaturen auf die Strasse gingen, einige Tausend Menschen in Palästina und weiß der liebe Kuckuck wo sonst noch überall. Die lesen alle Jyllands-Posten…wow, ich muss mir unbedingt auch mal ein Abo besorgen.

Diese empörten, frommen Seelen allein, wäre ja nur bedingt spektakulär, wäre da nicht die absurde Forderung mehrerer islamischer Staaten, die Zeitschrift zu sanktionieren. Wieso das absurd ist? Das, meine lieben Muslime, erfahrt ihr, wenn ihr bei Wikipedia mal unter “Pressefreiheit” nachschaut.Klaus, der Prophet

Hier in Deutschland erhitzen sich die Gemüter derweil in der Blogosphäre und in diversen Foren, sehr zu empfehlen: Das Massengezeter bei Spiegel Online. Der Tenor lautet dabei stets: Presse- und Meinungsfreiheit vor religiöser Empfindsamkeit. Das finde ich richtig gut. Dabei sind nicht wenige der Krakehler christ-konservative Welt- und FAZ-Leser, die sich in vergleichbaren Karikaturfällen mit dem Herrn Jesus oder der jungfräulichen Maria mächtig ereifern würden.

Und weil diese staubigen, verkalkten Betschwestern und Brüder in der Vergangenheit unseres schönen Landes nicht selten das Sagen hatten, gibt es einen Mundtot-Paragrafen, den §166 StGB. Der verbietet alles, was einen christlichen Priester ärgert und wurde deshalb in der Vergangenheit vom christlichen Klerus dazu benutzt, Karikaturisten, Künstler, Bühnenautoren, etc. das lästerliche Maul zu stopfen. Zum Beispiel, wenn da jemand über die unbefleckte Empfängnis der holy Maria witzelte. Eine liberale Partei hatte mal den Vorschlag gemacht, den Paragrafen endlich abzuschaffen, der hat man aber auch das Maul gestopft.

Und nun kommen die Muselmänner (und Frauen) und fordern, wen wunderts, dass eben dieser Paragraf auch ihre religiösen Gefühle schützen möge. “Das gilt nicht”, ruft die Menge da, “weil, äh, weil, hmmm”. Ja, ja, wissen wir. Islam ist böse, rückständig und gefährlich. Finde ich überigens auch, ehrlich. Aber Gesetze gelten in Deutschland nunmal für alle gleichermaßen. Also fasst euch endlich ein Herz: Wer Mohammed veräppeln will, muss den 166 endlich streichen.

Mit der neu gewonnen Freiheit dürfen wir die Abenteuer von “Jesus and Mo” dann vielleicht bald selbst produzieren, anstatt sie uns aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu laden.

3 Comments

  • [...] nachtrag: der (m.e.) bislang beste beitrag zum thema… [...]

  • Wer schützt eigentlich meine antireligiösen Gefühle?
    Ständig werde ich von gewaltverherrlichenden Darstellungen (Jesus am Kreuz) und Ruhestörungen (Kirchengeläut und Muezzin) genervt… wer unternimmt etwas dagegen?
    Ich finde, dass die Darstellung jeglicher religiös motivierter Bildnisse verboten werden sollte (von mir aus auch die Karikaturen). Dann hätten wir alle unsere Ruhe und wer glauben mag, soll das tun… aber jeder bitte für sich!

  • [...] Nachtrag: Interessante weitere Beiträge: Johnny, Chuzpe, Spindoctor, Stefanolix, Rabenflug (1, 2), islam.de, Toomuchcookies, MeOnly , Haken, Semmel, Wurst, (to be continued) [...]

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