Occupy Gauck

Was ist das für ein schönes Gefühl zu wissen das Joachim Pfaffe Gauck nicht Bundespräsident geworden ist. Hat er doch ohne gottes Segen die von mir geschätzte Occupy-Bewegung albern genannt, nur weil die Protestierenden nicht klar formulieren können, wogegen sie eigentlich sind und was genau sie eigentlich wollen. Seit wann ist denn das ein Grund ausfällig zu werden? Das trifft ja schließlich auf 90% aller Abgeordneten des Bundestages und 100% aller Verdi-Chefs zu. Erstere würfeln aus lauter Mangel an Sachverstand jede Woche ein neues Maßnahmenpaket gegen die “Griechenlandkrise” aus, welches das Vermögen von unten nach oben umverteilt, letzterer findet dass ganz toll und hat gleichzeitig große Sympathie für die Occupy-Bewegung. Wahrscheinlich, weil die in einer Woche mehr Menschen auf die Straße kriegen, als seine korrupte Rammelorganisation Mitglieder hat.
Ich finde die Occupy-Bewegung (noch) gut, grade weil sie keine scharfen Ziele formuliert. Denn wir alle wissen nicht was falsch läuft, wir wissen nur das etwas falsch läuft. So, und damit endlich Licht werde wo vorher Dunkelheit war, habe ich mich persönlich mich mit Gott in Verbindung gesetzt und mir das Problem erklären lassen. Vorab: Es ist keine Kapitalismuskrise, keine Schuldenkrise, keine Bankenkrise, keine Spekulantenkrise und auch keine Wirtschaftskrise. Es ist eine monetäre Krise die eine Demokratiekrise nach sich zieht. So ist sie entstanden:

Vor vielen Jahren haben viele böse Männer sich zusammengesetzt und ein perfides System ersonnen, mit dem sie heimlich und unerkannt das Vermögen aller Menschen in ihre Taschen transferieren. Das tun sie mit Hilfe von Geld, dass keinen eigenen Wert mehr besitzt, sondern eine Schuldverschreibung darstellt. Wer Geld haben will muss es sich leihen und, simsalabim, mit Zins zurückzahlen. Moment, stop, bevor jetzt jemand meint ich würde hier vom internationalen Finanzjudentum und so, also nein, nein. Ich hab auch nicht mit Allah gesprochen. Der Gott heißt Hönir und hat mit dem Zins per se garkein Problem. So sprach Gott zu mir: Ein Geldschein entsteht durch Schulden. Jemand geht zur EZB, die richtet ein Konto mit -10 EUR ein und rückt dafür einen 10 EUR Schein herhaus. Darum sollten wir auch besser nicht alle Schulden tilgen, dann gäbe es nämlich kein Geld mehr. Nach einem Jahr will die EZB nicht nur die 10 EUR zurück haben sondern 10 EUR plus Zinsen. Ausser der EZB machen das auch andere Banken. Dafür erbringen die Banken keine Leistung. Denn der 10 EUR-Schein hat keinen Wert. Er repräsentiert nur das Versprechen, dass jemand eines Tages den Schein mit Zins zurückbringt. Hätte die Bank einen Silber-Taler verliehen, hätte sie eine Leistung erbracht, denn der Silber-Taler hat einen Wert. Er ist nicht das Versprechen, sich eines Tages in ein wertvolles Stück Silber zu verwandeln, nein, er ist das Stück Silber. Der 10 EUR Schein ist nur Papier. Und alle Menschen die mit diesen Scheinen bezahlen, müssen ackern und rackern und strampeln um die vielen Zinsen zu erwirtschaften, die die Bankster sich in ihre Taschen stecken ohne dafür zu arbeiten. Darum gibt es bei den Banken Händler die mehrere Millionen EUR im Jahr als Bonus kassieren. Normale Menschen profitieren nicht. Sie zahlen immer mehr Zinsen als sie durch ihr Gespartes einnehmen. Bei dieser Krötenwanderung gelangen viele kleine Beträge von vielen Menschen immer weiter nach oben in die Nahrungskette und reichern sich bei einer kleinen Clique von Geldherrschern an. Gemein!

Alle mit diesem Zinseffekt verbundenen Gemeinheiten wie brutalst möglicher Wachstumszwang, rasender Ressourcenverbrauch inklusive Umweltzerstörung in Höchstgeschwindigkeit steht mit dieser einen Tatsache, dass Geld kein Geld sondern Schuld ist, ursächlich in Verbindung.

Gott hat mir gesagt, dass wir eine Geldreform brauchen. Bei dieser Reform werden erstmal alle Konten auf 0 gestellt und dann wird ein Geldschein als Stellvertreter für einen real existierenden Gegenwert gedruckt. Wer den Schein vorlegt kann jederzeit die Herausgabe des Gegenwertes verlangen. Der Tausch des Scheins in realen Gegenwert und zurück ist eine hoheitliche Aufgabe und daher ist mir der Vorschlag der Linkspartei (ein Verein, mit dem mich sonst nicht so furchtbar viel verbindet), alle Banken zu verstaatlichen, garnicht mal so unsympathisch. Gott liebt euch, liebe Genossinnen und Genossen.
Der alte Gauck kann das alles nicht verstehen. Für ihn hat Griechenland ein Liquiditätsproblem und Liquidität muss man durch Kredite bereitstellen. Griechenlandrettung eben. Aber Gott hat mir auch noch gesagt, dass man nicht lügen soll und deshalb soll man auch die laufende Umverteilung von Vermögen aus Steuergeldern an die Banken nicht EFSF,ESM, DBDDHKP oder LMAA nennen. Und schongarnicht soll man es “Rettungspaket für die Griechen” nennen, denn die fühlen sich garnicht gerettet (wen wundert’s). Die Griechen lässt man im Regen stehen, gibt ihnen aber einen Schirm, einen Rettungsschirm.

“Rettungsschirm” klingt viel besser als zum Beispiel “Rechtsbruch”. Obwohl das in diesem Fall genau das gleiche ist. Rauskaufen von Pleitegeiern ist nicht erlaubt. Und Geld drucken durch die EZB auch nicht. Aber das kümmert in der Abenddämmerung der Europäischen Demokratie nicht mehr. Ein Vertrag ist ja auch nur aus Papier und damit genau wie der Geldschein nur Stellvertreter eines Versprechens. Und wer hätte sich nicht schonmal versprochen. Da werden aus 100 Mrd. über Nacht 200, dann 400 zuletzt 1 Billionen oder vielleicht auch zwei und das alles ohne das die gewählten Volksvertreter lange darüber beraten hätten. 2 Billonen, das sind 6 Bundeshaushalte und ich habe Haushaltsdebatten gesehen, die vielen wegen kleinerer Beträge lauter aus, als die wöchentliche Rettungsschirmvergrößerungsabnickrunde. Das erschüttert das Vertrauen in die Demokratie und stürzt die EU in eine Legitimationskrise. Oje, noch ne Krise.

Die Occupy-Bewegung hat gemerkt, dass da was faul ist. Wie kann es sein, dass die Deutsche Bank mit einem Schapspinnchen voll Eigenkapital Risikogeschäfte in eine Dimension hebelt, für die selbst hartgesottene Hedgefund-Heuschrecken nicht genug Arsch in der Hose hätten? Und nun, da die Sache schief geht verlangt der Anführer der Bankster-Bande Anschu Ackermann die Gemeinschaft solle die Zeche zahlen. Und das stinkt der Occupy-Bewegung offenbar. Und mir, Herr Gauck, stinkt das auch. Und jetzt sag mir da bloß keiner, diese Raubritter wären Systemrelevant und unverzichtbar. Wenn in der Realwirtschaft jemand eine Sache erwirbt, den Wert der Sache durch seine Arbeit vermehrt und die Sache dann zu einem höheren Preis veräussert, schlägt der Staat mit 19% Mehrwertsteuer zu. Wieso kann die Bank solche Geschäfte steuerfrei machen? Warum ereifert man sich gar über lächerliche 0,1% Finanztransaktionssteuer? Weg mit der blöden Finanztransaktionssteuer, her mit 19% Mehrwertsteuer auf Finanzprodukte! Und noch etwas hat Gott mir verraten: Der Markt regelt alles ganz von selbst. Deshalb, so Gott, sollen wir den laufenden Transfer von Steuergeldern zu den Bankstern über den Umweg Griechenland sofort stoppen. Dann hätten wir Gläubigerhaftung. Nicht 30% nicht 50% nicht 70%, nein 100% Gläubigerhaftung hätten wir dann. Ach so, übrigens die ganze Wahrheit: Jeder Privattrottel der sich eine Lebensversicherung mit Riester und Fondsparen und, und, und hat andrehen lassen ist auch ein Gläubiger und geht mit in die Haftung.

Nach §90 StGB müsste ich für die verunglimpfung des Bundespräsidenten ins Kittchen. Nie würde ich mich lästerlich über den Herrn Bundespräsidenten äussern. Aber den ollen Gauck den kann man doch in der Pfeife rauchen.

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